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Das Schulgebäude

Hans Scharoun (1893 - 1972) entwarf und baute in den Jahren 1956 bis 1962 eines der architektonisch bedeutendsten Gebäude in Lünen, das Schulgebäude an der Holtgrevenstraße, damals Heimat des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, heute Teil des Gebäudekomplexes der Städt. Geschwister-Scholl-Gesamtschule und seit 1985 unter Denkmalschutz gestellt. 
Scharoun gehört zu den wichtigsten Architekten dieses Jahrhunderts. Er entwarf und baute Wohnsiedlungen, Einfamilienhäuser, Verwaltungsgebäude, Theater, Museen, Bibliotheken, Konzertsäle und auch zwei Schulen, davon die eine in Lünen. Sein wohl bekanntestes Bauwerk, die Philharmonie in Berlin, wurde fast zur gleichen Zeit wie die Schule in Lünen errichtet. Deshalb sind die vielen Parallelen zwischen den beiden Gebäuden auch kein Zufall. 
Im Mittelpunkt der Architektur Scharouns steht der Mensch, der Nutzer des Gebäudes, sowie das Ziel, dem ein Gebäude dienen soll. Im Falle des Schulbaus bedeutete das die Ablehnung aller an Militär und Kasernen erinnernden äußeren Formen, wie sie häufig bei Schulgebäuden anzufinden sind. Das Bauwerk soll, so wie es in der Lüner Scharounschule deutlich wird, in seiner Vielfalt der Formen und Räume der Vielfältigkeit und Verschiedenheit der Menschen, die in ihm zusammen leben und arbeiten, gerecht werden. Das Gebäude selbst soll Individualität, Selbständigkeit und Mündigkeit der Schülerinnen und Schüler fördern, sie sollen sich in ihren Klassenräumen, die Scharoun als "Klassenwohnungen" bezeichnete, wohl- und verantwortlich fühlen und sie sollen sich in einer sozialen Gemeinschaft bewegen und begegnen lernen. 
Dabei schließt sich das Gebäude nicht feindlich nach außen ab. Es ist offen und durchlässig. Überall geht der Blick durch die vielen Fensterflächen oder der Weg durch die zahlreichen Türen leicht von innen nach außen und umgekehrt von außen nach innen, Ausdruck von Transparenz und Bewegung. Alle Räume stehen in enger Beziehung zur äußeren Umgebung, durch die Terrassen und Blumenbeete bzw. die Balkone vor den Klassenwohnungen wird immer auch ein Stück Natur Teil des Raumes. 


Scharouns auch in unserer Schule sichtbare Bauphilosophie hat ihre Wurzeln in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts, in der Zeit des Übergangs, des Umbruchs von den autoritären Strukturen des Kaiserreichs zu den demokratischen Vorstellungen und Lebensformen der Weimarer Republik. Diese Veränderungen kamen besonders deutlich in der Kunst und der Architektur zum Ausdruck. Viele dieser Vorstellungen und Ideen konnten aufgrund der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, also erst nach 1945, wieder aufgegriffen und verwirklicht werden. Die Architektur Scharouns ist ein Zeugnis davon.